Kennen Sie das? Mit der Mutter in einer Waschstraße.

Kennen Sie das, wenn Sie mit Ihrer Mutter und Ihrem Auto in die Waschstraße fahren und mitten im Waschvorgang am liebsten den Wagen verlassen würden?

Ich weiß, was Sie denken und Sie haben Recht: VORHER überlegen, mit WEM man – gefangen im Spülschaum – im Auto sitzen wird!

Ich betrachte das Angebotsschild und wähle gedanklich schon einmal  die 5,99 Euro Variante. Einmal vorwaschen und dann den normalen Waschvorgang. Sonst nix. Kein Felgengedöns und auch keine super hyper Unterbodenschutzspülung.

Ich fahre dem  lächelnden jungen Mann entgegen, der – bereits mit dem Hochdruckreiniger bedrohlich bewaffnet – vor dem Kassenhäuschen steht.

Ich kurble das Fenster herunter.

Er fragt (das war ja klar): „Kann ich Ihnen ein ganz besonderes Angebot…?“

„Nein!“, erwidere ich barsch, denn DEN Spruch kenn ich schon. Locken tun sie einen mit dem Masterpiece-Mini-Mini-Minimal-Angebot, aufschwatzen wollen sie einem die Goldlackierung und das Bekleben der Stoßstange mit Swarowksi-Steinchen!

Jajaaa….

Er nickt und nimmt das Geld entgegen. Dummerweise habe ich nur einen fünfzig Euro Schein, ich bin entlarvt. Ich dachte doch, ich würde den Eindruck erwecken können, ich sei eine verarmte geschiedene Frau mittleren Alters, die gerade mal die sechs Euro von ihrer Mutter geschenkt bekommen hat, damit die leidende Tochter endlich mal wieder ein sauberes Auto vorzeigen kann…

Er gibt mir vierundvierzig Euro raus. Er unterschlägt also einen Cent. Dafür gebe ich ihm kein Trinkgeld.

Zur Strafe strahlt er meinen Wagen lediglich gefühlte drei Sekunden mit dem Hochdruckreiniger ab.

„Der hat dir den einen Cent nicht gegeben!“, echauffiert sich Muddi.

Ich seufze nur und löse die Handbremse.

Los geht´s.

Muddi bestaunt wie immer die großen Waschbürsten. Ich auch. Das Wasser prasselt auf die Scheiben und ich stelle mal wieder fest, dass eine Fahrt durch die Waschanlage wirklich unglaublich entspannend sein könnte.

Könnte. Würde Muddi nicht plötzlich aufrufen: „Du meine Güte! Riechst du das ??“

Ja, ich rieche es. Es riecht…NICHT nach Reinigungsschaum.

„Was ist das, verdammt??“ ruft meine Mutter aus.

„Ich weiß nicht!!“ rufe ich zurück.

„Das ist ja kaum auszuhalten!“. Meine Mutter hippelt unruhig auf dem Beifahrersitz herum.

Pause.

„Es stinkt!!“

„Ja.“

„Es stinkt nach faulen Eiern!“

„Ja!!“

„Warum stinkt es nach faulen Eiern??“

„Ich weiß es nicht!!“

„Benutzen die das Wasser mehrfach??“

„Das ist zu befürchten, Muddi!!“

„Also, das ist doch eine UNVERSCHÄMTHEIT!!“

„Ja.“

„Kann man hier raus??“

„Neiiiin!!!“

„Ich will hier raus!!“

„Niiiicht!! Mach die Tür SOFORT wieder zu!!“

Klack.

„Ich muss lüften! Geht die Lüftungsanlage??“

„Selbstverständlich NICHT! Das Auto ist AUS!!“

„Ich halt das nicht aus!!“ (Muddi hält sich ihr Halstuch vor das Gesicht)

„Es ist ja gleich vorbei!“

„Es ist grün. FAAAAAHR!!!“

Ich gebe Gas und fahre recht hektisch fort…fort von diesem Gestank, fort in Richtung Parkmöglichkeit.

Als wir anschließend bei Marktkauf einen Parkplatz ergattert haben, steigt Muddi aus. Betrachtet mein Auto und spricht verzückt:

„Aber sauber ist es, Laura! Richtig schön sauber! Sieh mal…hier ist noch ein kleiner Fleck….“

Sie wischt den Fleck mit einem Rockzipfel ab, schnappt sich den Einkaufswagen und geht langsamen Schrittes zum Eingang.

Da wir uns zu Beginn der Donnerstäglichen Einkaufstour stets trennen, sehe ich sie zwei Stunden nicht mehr.

Später, als wir uns beim Bäcker im Marktkauf treffen und Platz nehmen – zu einem Kaffee und einer Zimtschnecke, raunzt mir Muddi kauend zu:

„Das nächste Mal verhandle ich bei dem jungen Mann eine Wäsche für 4 Euro. Wenn der Kunde für ein sauberes Auto drei Minuten seines Lebens Pestilenz und Schweinetrog ertragen muss, IST es das nicht mehr wert!!“

Amen.